Vibe Coding
From good vibes to code
Drei Stunden über KI, Sprache und warum plötzlich alle programmieren können.
Dima 👾
- Technologie-Enthusiast und Prototyper aus Zürich
- Vorher: IT-, ERP- und Controlling-Projekte bei Deutscher Telekom, Orange, Lufthansa, Gate Gourmet
- Heute: Apps, KI-Prototypen und kleine Helfer mit modernen Coding-Tools
Diese Präsentation ist mit Vibe Coding entstanden.
Fragen ist erlaubt.
Drei Stunden, vier Blöcke
Ziel für heute: neugierig werden, wie man eigene Ideen in Code umsetzt.
Wo steht ihr gerade bei KI?
Alle drei Gruppen nehmen heute etwas mit. Versprochen.
Wie wir hierher kamen
Eine kurze Geschichte davon, wie Programmieren immer einfacher wurde, bis es heute jeder machen kann.
Am Anfang war Programmieren:
Schalter umlegen
Ein Prozessor ist im Grunde ein sehr schneller Taschenrechner. Er kann nur ein paar Dinge: eine Zahl aus einer Schublade holen, damit rechnen, sie zurücklegen. Diese Schubladen heissen Register.
Alles war Zahlen
Kein „öffne die Datei“. Sondern: lade Zahl aus Schublade 3, addiere Schublade 5, leg sie in Schublade 1.
Programme auf Karton
Lochkarten. Ein Loch falsch gestanzt und das ganze Programm läuft nicht. Runterfallen lassen wollte man den Stapel auch nicht.
Ein Beruf für wenige
Man musste wissen, wie die Maschine innen aussieht. Das konnten weltweit ein paar tausend Leute.
Merkt euch das Gefühl: Der Mensch musste sich der Maschine anpassen.
Seitdem ging es nur in eine Richtung: einfacher
10110000 01100001
Reine Zahlen. Nur die Maschine versteht das. Und ein paar Menschen.
MOV AL, 61h
Kürzel statt Zahlen. Immer noch pro Prozessortyp anders.
int x = 97;
Erstmals fast lesbar. Läuft auf verschiedenen Maschinen.
print("Hoi")
Fast schon Englisch. Man muss es aber immer noch exakt tippen.
„Mach mir eine Website
für mein Café.“
Komma vergessen? Egal. Die Maschine passt sich jetzt euch an.
Einer hat das früh auf den Punkt gebracht
„The hottest new programming language is English.“
Die angesagteste neue Programmiersprache ist Englisch.

Damals klang das nach Angeberei. Heute ist es einfach die Beschreibung eures Alltags.
Alles, was ihr heute benutzt, geht auf ein einziges Paper zurück
Acht Forscher bei Google stellen eine neue Architektur vor: den Transformer. Der Trick heisst „Attention“: Das Modell lernt selbst, welche Wörter im Satz füreinander wichtig sind.
Daher der Name ChatGPT:
Google hat es veröffentlicht, gross wurde damit aber zuerst ein anderer: OpenAI mit ChatGPT.
Ganz viele Regler, die sich selbst einstellen
Stellt euch tausende winzige Schalter vor, die in Schichten hintereinander liegen. Links kommt etwas rein, rechts kommt eine Antwort raus. Jede Verbindung hat ein Gewicht: eine Zahl, die sagt „das hier ist wichtig“ oder „das hier ist egal“.
- Beim Training rät das Netz, liegt falsch, dreht an den Reglern, milliardenfach
- Niemand programmiert die Regler von Hand. Sie stellen sich selbst ein
- Diese eingestellten Zahlen sind die Gewichte. Merkt euch das Wort für gleich
Deshalb kann niemand genau sagen, warum ein Modell etwas antwortet.
Die Branche läuft in zwei Richtungen auseinander
🔓 Open Weights
Die eingestellten Zahlen sind öffentlich. Ihr könnt das Modell herunterladen und auf eurem eigenen Rechner laufen lassen.
Vorteil: läuft offline, niemand kann es euch abschalten, keine Nutzungsgebühr.
Haken: ihr braucht Hardware und etwas Technikwissen.
🔒 Closed Weights
Die Zahlen bleiben im Haus. Ihr kommt nur über die Website oder eine Schnittstelle heran. Das Modell selbst bekommt ihr nie.
Vorteil: meist das Beste, was es gerade gibt, und null Aufwand.
Haken: Preis, Verfügbarkeit und Regeln bestimmt der Anbieter. Nicht ihr.
Stand August 2026: Die Namen ändern sich schneller als diese Folie. Das Prinzip nicht.
um sieb
T9 auf sehr, sehr vielen Daten
Handys vor Smartphones kannten das schon: das Handy schlug beim Tippen das nächste Wort vor. Ein LLM macht genau dasselbe, nur hat es dafür das ganze Internet gelesen.
- Es rät immer nur: welches Wortstück kommt als Nächstes?
- Es „weiss“ nichts. Es kennt nur Wahrscheinlichkeiten
- Genau deshalb erfindet es manchmal überzeugend Blödsinn
LLM heisst „Large Language Model“. Ein sehr grosses Sprach-Ratemodell.
Es sieht keine Wörter, sondern Legosteine
Bevor das Modell rechnet, zerlegt es euren Satz in Stücke: Tokens. Mal ein ganzes Wort, mal nur eine Silbe. Alles, was ihr bezahlt und alles, was es sich merken kann, wird in Tokens gemessen.
Faustregel: 100 Tokens ≈ 75 Wörter.
Vereinfachte Darstellung. Echte Tokenizer schneiden etwas anders.
Bitcoin-Mining hat diesen Weg bereits vorgemacht
2009: normale Prozessoren reichten am Anfang.
Ab 2010: Grafikkarten, tausendfach parallel.
Ab 2013: Application-Specific Integrated Circuit, ein Chip nur für eine Aufgabe.
Fast alles läuft über GPUs mit Nvidia CUDA.
Google und Huawei bauen eigene KI-Chips.
Die Richtung: mehr Rechenleistung, um ein Vielfaches effizienter.
Was als Nächstes kommt, kann euch niemand seriös sagen
Wer im Januar behauptet, was im Dezember State of the Art ist, verkauft euch etwas. Was sich aber in jeder bisherigen Runde wiederholt hat, ist die Richtung:
Der Transformer war nicht das Ende der Forschung, sondern der Anfang.
Modelle, die vor zwei Jahren ein Rechenzentrum brauchten, laufen heute auf einem Laptop.
Der Weg geht klar dahin, dass brauchbare Modelle lokal auf dem Smartphone laufen, ohne Internet.
Deshalb lernt heute nicht ein Tool auswendig. Lernt das Prinzip.
Wohin geht das, was ihr eintippt?
Cloud: ChatGPT, Claude, Gemini im Browser
Lokal: Ollama, LM Studio auf eurem Rechner
Verschlüsselt ≠ unsichtbar
Der Transportweg ist sicher. Aber zum Rechnen muss der Text auf dem Server im Klartext vorliegen. Anders geht es technisch nicht.
Business-Pläne helfen
Enterprise- und Team-Abos sagen vertraglich zu, eure Daten nicht fürs Training zu verwenden. Das ist ein Versprechen, kein Naturgesetz.
Sicher wisst ihr es nie
Ihr könnt es nicht nachprüfen. Deshalb: Patientendaten, Lohnlisten, Kundenverträge gehören nicht in ein Gratis-Chatfenster.
Eure Ideen sind gefragt
Was nervt euch so richtig, und es gibt noch kein Tool dafür?
Sucht ein echtes Problem aus eurem Alltag oder Job. Kein erfundenes. Etwas, bei dem ihr regelmässig denkt: „das kann doch nicht sein, dass ich das von Hand mache.“
Pause
Kurz raus, kurz durchatmen. Danach basteln wir.
Vibe Coding
Warum heisst das eigentlich „Vibe Coding“?
„…where you fully give in to the vibes, and forget that the code even exists.“
…wo man sich ganz den Vibes hingibt und vergisst, dass der Code überhaupt existiert.

Gemeint war: Man beschreibt, was man will, schaut aufs Ergebnis statt auf den Code, und wenn ein Fehler kommt, kopiert man ihn einfach zurück in den Chat. Der Name blieb hängen, und ein Teil der Programmierenden ist bis heute beleidigt, weil sich das verdächtig nach ihrem Job anhört.
Vibe Coding ersetzt keine Profis. Aber es macht aus Zuschauenden Mitmachende.
Die bequemen Baukästen haben einen Preis
🎣 Der Baukasten
Ihr beschreibt eure App, bekommt sie fertig angezeigt, klickt auf „veröffentlichen“. Grossartig, solange nichts schiefgeht.
Den Code seht ihr nicht. Die Datenbank gehört dem Anbieter. Und selbst wenn ihr im teuren Abo den Code exportieren dürft:
eigenes Datenbankformat eigene Login-Logik eigenes Hosting🗝️ Der eigene Ordner
Ihr baut dasselbe lokal in VS Code. Etwas mehr Technik nötig, ein paar Klicks mehr am Anfang.
Dafür: gewöhnliche Dateien, gewöhnliche Datenbank, gewöhnliches Hosting. Alles austauschbar.
Anbieter wechselbar Modell wechselbar Hosting wechselbarFaustregel: Wenn ihr die Dateien nicht sehen könnt, gehört euch das Projekt nicht.
Es gibt zwei Sorten von Werkzeug
💬 Die Chat-Programme
Das, was ihr kennt: Fenster auf, lostippen.
- ChatGPT mit Projekten und Workflows
- Claude mit Artefakten
- Gemini, Perplexity fürs Recherchieren
🛠️ Die Coding-Harnesses
Die KI sitzt direkt in euren Dateien und darf sie verändern.
- VS Code mit Copilot, Cline oder Claude: ein Editor mit KI-Chat
- Cursor, Windsurf: Editoren, um KI herum gebaut
- Claude Code, Codex: laufen im Terminal, ganz ohne Fenster
Heute Nachmittag benutzen wir beides: erst Chat, dann Editor.
Claude Code: entstanden als ein Bastel-Experiment
Boris Cherny bastelt im Terminal mit Claude, ohne fertigen Plan.
Zeigt nur an, welche Musik ein Kollege gerade hört.
Bekommt Dateizugriff, verbreitet sich intern bei Anthropic.
Daraus wird Claude Code.
Auch bei Anthropic selbst hat niemand um Erlaubnis gefragt. Jemand hat einfach angefangen.
Irgendwann wird der Chat einfach schlechter
Ein Modell hat einen begrenzten Arbeitstisch: den Kontext. Alles, was ihr geschrieben habt, liegt darauf. Wird es voll, rutscht das Wichtige unter den Stapel.
- Es vergisst, was ihr vor 40 Nachrichten entschieden habt
- Es widerspricht sich selbst
- Es dreht sich im Kreis und ihr werdet wütend
Das ist kein Bedienfehler. Das ist Bauart.
Darum haben die Anbieter Artefakte erfunden
Ein Artefakt ist ein fertiges kleines Stück Arbeit, das aus dem Chat herausfällt: eine Datei. Kein Gesprächsverlauf, sondern ein Ergebnis.
Der Trick: Ein Artefakt ist der Startpunkt für das nächste Gespräch. Ihr fangt nie bei null an.
Ein Ordner ist das ehrlichste Ergebnis, das es gibt
- Alles landet als Datei im Ordner, nicht im Chat
- Ihr könnt kopieren, mailen, auf einen Stick ziehen
- Modell wechseln mitten im Projekt: es liest den Ordner und macht weiter
Der Chat gehört dem Anbieter. Der Ordner gehört euch.
Vibe Coding hat auch eine Schattenseite
Es gibt inzwischen echte Untersuchungen dazu, nicht nur Bauchgefühl. Die gute Nachricht: die Risiken lassen sich mit ein paar einfachen Gewohnheiten stark reduzieren.
⚠️ Was schiefgehen kann
Echte Vorfälle, keine Theorie.
- Eine Studie fand in KI-mitgeschriebenem Code fast dreimal so viele Sicherheitslücken wie in von Menschen geschriebenem Code
- 2025 löschte ein KI-Agent bei einer Firma eine Produktionsdatenbank, trotz expliziter Anweisung, nichts zu verändern
- Wer den Code nicht selbst geschrieben hat, tut sich schwer, ihn zu verstehen, sobald etwas kracht
🧭 Wie ihr gegensteuert
Die KI liefert schneller, das Denken bleibt bei euch.
- Architektur und Datenmodell selbst entscheiden, bevor ihr bauen lasst, statt die KI die Struktur wählen zu lassen
- Klein anfangen, oft testen, Schritt für Schritt statt alles auf einmal generieren lassen
- Code lesen, bevor ihr ihn übernehmt, auch wenn nur grob
- Löschen, Datenbank-Änderungen oder Force-Push nie ohne Rückfrage ausführen lassen
Vibe Coding ersetzt nicht das Nachdenken. Es beschleunigt nur, was danach kommt.
Wir bauen einen Flyer, den wir wirklich ausdrucken würden
Wir nehmen unser Thema aus dem Breakout, oder etwas, das wir wirklich kennen: unseren Verein, unsere Band, unseren Nebenjob. Erfundene Firmen werden langweilige Flyer.
Thema: ___
Zielgruppe: ___
Wichtigste Botschaft: ___
Ton: ___
Nur eine Datei, druckfertig, keine externen Bilder.“
für alle
Anschauen, nicht sofort meckern.
Konkret sagen, was anders soll.
Als Datei sichern, dann als PDF drucken.
VS Code ist im Kern einfach ein besserer Ordner
VS Code ist gratis, läuft auf jedem Rechner und ist im Grunde ein Textbearbeitungsprogramm mit drei nützlichen Bereichen. Mehr müsst ihr heute nicht wissen. Zuerst erschlägt es einen, dann will man nichts anderes mehr nutzen zum Tüfteln.
Ihr müsst keine Zeile Code selbst tippen. Ihr müsst nur sehen können, was entsteht.
Alles, was zu eurem Projekt gehört. Anklicken zum Anschauen.
Hier steht der Text und der Code. Hier schreibt meistens die KI.
Wie ChatGPT, nur dass er eure Dateien sieht und direkt ändern darf.
Aus der Idee wird eine App
Gleiches Thema, neues Werkzeug. Ihr legt einen Ordner an, schiebt den Flyer hinein und lasst die KI daraus eine richtige Seite bauen, mit mehreren Abschnitten und einem Kontaktbereich.
Bau daraus eine einseitige Website:
Startbereich, drei Abschnitte, Kontakt.
Handy-tauglich. Schreib danach in TODO.md,
was noch fehlt.“
Versucht keine Profis zu sein.
Bleibt neugierig und probiert aus.
Nehmt eine nervige Aufgabe und lasst sie einmal von der KI machen.
Baut die Idee aus dem Breakout als winzige Version. Hässlich ist erlaubt.
Zeigt sie jemandem. Feedback schlägt Perfektion.
Vielen Dank!
Mehr zu Workshops und MVPs.
dima@codecook.chSchreibt mir eine kurze Nachricht.
Bleiben wir connected.
👾 Viel Spass bei schlaflosen Nächten beim Tüfteln an euren Ideen.